Kosmos
Durch die Reduktion des Lichts verschwindet der Raum. Was bleibt,
ist die ans Licht gebrachte, überspitzte Form der Gegenstände.
Die
Deutlichkeit mit der die Form eines Objektes durch die Reflektion
des fast vergangenen Tages zum Vorschein kommt, enthüllt dessen
«wahres Gesicht»: seine Künstlichkeit und Absurdität.
Was uns um-
gibt, ist das Unwirkliche in der Realität. Ob als Ersatz der
mensch-
lichen Bedürfnisse oder als Simulation einer natürlichen
Umgebung.
Durch das Aufgreifen eines bestimmten Details wird diesem eine be-
sondere Bedeutung zugeschrieben. Manchmal lässt uns dieses
nicht los und bleibt als Erinnerung im Gedächtnis erhalten.
Aus dem
Chaos des Erlebten bleiben nur klitzekleine erinnerte Elemente als
Überbleibsel, welche man zu ordnen versucht um dem ganzen einen
Sinn zu geben. Unter welchen Umständen werden wir unserer Selbst
und unserer Position im Ganzen bewusst? Welche Rolle spielen die
systematische Verplanung und Umgestaltung der uns umgebenden
Räume? Was bedeuten das Licht und die Zeit für die Wahrnehmung?
In Kosmos konzentriere ich mich auf einen konkreten Ausschnitt der
städtischen Umgebung: auf Spielplatzobjekte aus Edelstahl.
Ob die
Strahlen, die diese erreichen, die des Sonnenlicht oder des Mondes
sind, weiß ich nicht. In der letzten Stunde des Tageslichts
vollzieht
sich ein Wandel: das Licht geht, die Dunkelheit kommt. Es ist eine
genau ausgewogene Mischung, welche die Objekte erstrahlen lässt.
Denn gleichzeitig taucht diese auch die Umgebung in eine bläuliche
Schwärze ein, und verleiht den Objekten eine erhabene Ruhe.
Es ist
der Moment der Geburt und des Todes. Die Gegenstände erwachen
zu neuem Leben, zugleich sterben sie auch, denn sie werden nicht
mehr gebraucht, und auch ihr Strahlen hält nur eine kurze Weile
an.
Es ist auch nur ein kurzer Augenblick, welcher die Fotografie zu
einem
ambivalenten Medium macht. In welchem die Sicherheit über das
«Da-Gewesene» und die Unsicherheit über das unwirkliche
Wirkliche
ein perfides Spielchen mit uns treiben. Die Spielgeräte erlauben
uns
durch ihre Beschaffenheit einen Zugang in eine ungewohnte Welt,
die
als Erinnerung an vergangene Tage in uns schlummert und ans Tages-
licht geholt wird. Sie führen uns in das Haptische wieder zurück,
in
eine Zeit in der nicht nachgedacht wurde, in der man fühlen
wollte.
Gleichzeitig wird uns die Fremde dieser entfernten Zeit vor Augen
geführt; die Entfremdung, welche Erinnerungen verursachen.
Ist dies
eine Möglichkeiten die Welt ein bisschen mehr zu sehen wie
sie sein
könnte? Ist eine zeitliche Distanz und eine erneute Konfrontation
mit
dem vergangenen Moment die Möglichkeit etwas über sich
selbst zu
erfahren? Ist Fotografie, die eine Distanz und Nähe zum Referenten
erlaubt, ein Medium das die Möglichkeit besitzt uns das Leben
vor
Augen zu führen? Oder ist sie allzu sehr an die Technik gebunden,
nur ein plattes, sinnloses Produkt? In meinen Fotografien spiegeln
sich Fragen wieder, die ich an meine Umwelt, aber auch an mich
selbst stelle. Was sehe ich? Was sehen wir? Was entflieht unseren
Augen? Was bleibt?
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