Von Wien nach Beirut - auf der Suche nach der Grenze zwischen Europa und dem Orient

Von August bis Dezember 2008 war ich zwischen Wien und Beirut unterwegs. Ich fand Menschen in verschiedenen Lebenswelten, in und vor realer, alter und neuer, defekter und gepflegter, öffentlicher und privater Architektur. In meinen Aufnahmen tauchen sie auf als Passanten und Wartende, als Subjekte und Objekte des Blicks, die in ihrem urbanen oder ländlichen Umfeld sich am Fotografen vorbeibewegen oder mit der Kamera konfrontiert werden.

Distanzierte Perspektiven, in denen Einwohner und Touristen unterwegs sind und sich beiläufig zu flüchtigen Kompositionen zusammenfinden. Die Bilder sind nicht angelegt als eindeutige Dokumente, nicht als künstlerische Welten, auch nicht als Reisereportage. Vielmehr geht es um ein Labyrinth der Eindrücke. Architekturen und soziales Leben werden oft in verschiedenen Schichten und Zuständen überlagert gezeigt. Der Blick wird durch Spiegelungen und Brechungen verdoppelt, verkehrt, kondensiert und geteilt, um die Wahrnehmungen der kulturellen Differenzen wie in einem Kaleidoskop auf die Probe oder in Frage zu stellen.

Meine Bilder sind als ambivalente Kompositionen jenseits der gängigen Klischees angelegt. Sie überschreiten den festen Aussagewert architektonischer Monumente, historischer Lokalitäten und realer Grenzmarkierungen. Im Sinne einer regional unterschiedlichen, aber immer stärker zusammenwachsenden Globalität überlagern und durchdringen sich in ihnen Morgen- und Abendland.

Die Fotografie erweist sich dabei als visuelles Scharnier, als Schnittstelle vielfacher Welten, deren Spielraum zwischen West und Ost jeweils ausgeweitet oder verengt wird.

Wo endet der Westen und wo beginnt der Orient?

 
zur aktuellen Ausstellung